OLIVER GUNTNER

KULTUR-
KOLORIST

MUSENKÜSSE
REICHEN NICHT

 

 

 

 

 

 

 

 

DER KULTURKOLORIST

Mein Standpunkt zur Nutzung generativer KI

Der Zugang zu generativer KI verändert die Kultur- und Kreativwirtschaft.

 Für mich ist sie ein Werkzeug, das, im richtigen Maß angewendet, bei vielen Arbeiten helfen kann. Sie darf nicht verwendet werden, um kreative Prozesse zu zerstören und Kulturtechniken obsolet zu machen. Autoren bleiben durch ihre Stimme in ihren Werken einzigartig.

Als Autor nutze ich generative KI um Fakten zu recherchieren oder um an modellhaften, nicht-originalen Figuren Plot-Ideen zu feilen. Literarische Texte im Original stelle ich nicht zur Verfügung. Dürrenmatt schrieb in Die Physiker: „Was einmal gedacht wurde, kann nicht mehr zurückgenommen werden.“ Ich vermeide daher Formulierungsvorschläge durch generative KI. Sie bleibt ein Strukturwerkzeug, kein Chorgesang statistischer Möglichkeiten. 

Als Lektor gilt für mich ebenso diese Grundhaltung. Umso wichtiger ist hier, dass ich unveröffentlichte Texte nicht der KI übereigne. Ich frage grundsätzlich, ob und wie generative KI im Entstehungsprozess eines Textes involviert war oder ist. Transparenz ist für beide Seiten wichtig. Ein KI-generierter Grundtext ist für mich kein Ausschlusskriterium, wenn der Autor den Wunsch hegt, ihn mit mir gemeinsam weiterzuentwickeln.

Geistiges Eigentum muss geschützt werden. Es braucht Zeit, sich Erfahrungsschätze anzureichern und sie dann, mit entsprechender Vergütung, nutzbar zu machen. Die Geschwindigkeit, mit der uns generative KI heute mit Informationen versorgt, zerstört diesen Prozess und stuft ihn qualitativ herab. Nur durch behutsamen, vernünftigen Einsatz von KI kann uns die Schaffensfreude und Resonanz in Kunst und Literatur erhalten bleiben.

Musenküsse reichen nicht, allein Maschinenschmeicheleien machen auch nicht glücklich.